In Midrand bei Johannesburg boomt die IT-Branche und Südafrikas Völkergemisch arbeitet tüchtig an der Verwirklichung eines „African Dream“

Siemens-Zentrale in Midrand

„Vor fünfzehn Jahren,“ sagt Franz Hermanns und holt zu einer weiten Geste aus, „gab es hier in Midrand nichts als Felder, Wiesen und Pferde!“ Damals beknieten die Behörden seinen Partner und ihn, einen Teil der alten Farm Randjesfontein zu übernehmen und darauf ein Gästehaus zu errichten. Die Baugenehmigung kam hinterher.

Nicht Touristen hatten die beiden gemütlichen Aachener im Sinn, als sie ihre Guinea Lodge eröffneten: Ihre Kunden sind Geschäftsleute aus Europa, die wenigstens abends am Pool ein klein wenig Safari-Gefühl mit Blick auf strohgedeckte Dächer genießen wollen.  Denn wer heute von Randjesfontein über die sanften Hügel Midrands schaut, Read the rest of this entry »

Foto: www.klaustiedge.com

Im Mai 2008 gärte es gewaltig in den Townships rund um Johannesburg. Schon seit Wochen hatte es fremdenfeindliche Übergriffe gegen Read the rest of this entry »

Michael (14) – Foto: www.klaustiedge.com

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass Michael seinen Vater zum letzten Mal gesehen hat. Seine Mutter arbeitet viel, um die beiden halbwegs um die Runden zu bringen. Die Löhne in Kapstadt sind niedrig und das Leben für Read the rest of this entry »

Jethro (li.) will mal Profi werden Fotos: Klaus Tiedge

Jethro will für Barca spielen!

Tesfaye kannte den Initiator der African Brothers Academy, Craig Hepburn, als Kunden aus einem Einkaufszentrum. Vor acht Monaten brachte er zum ersten Mal seinen Sohn Jethro (benannt übrigens nach der Rockband Jethro Tull) zum Training mit den Brothers. Seitdem hat sich Jethro mächtig verbessert. Auch persönlich ist er ein anderer geworden. Zielstrebig, fast fanatisch trainiert er im Kreis der African Brothers, die auch so ewas wie seine erweiterte Familie geworden sind. Anders als in einem Fußballverein ist bei den Brothern jeder willkommen und jeder darf mitmachen, mitspielen. Jethro kommt jeden Tag und gehört zu den eifrigsten. Das hat seinen Grund: Er will einmal so berühmt werden wie Messi. Mindestens aber für Barcelona spielen. Wenn er so weitermacht, könnte er das noch schaffen.

Die Fotos zur Serie stammen von Klaus Tiedge

Dimo Estevo, 27; Foto: www.klaustiedge.com

Die schwere Flut in Mosambik veränderte Dimos Leben für immer. Im Hochwasser von 2001 verlor Read the rest of this entry »

Foto: Klaus Tiedge

“In meinem Leben ist vieles schief gelaufen”, sagt Petros. Der 32-Jährige stammt aus Johannesburg. Seine Jugend verbrachte Petros auf der Straße, Marihuana rauchen war die Freizeitbeschäftigung seiner Wahl. Er überlebte mit Diebstählen und Drogendeals, zweimal landete er im Gefängnis. 2007 ging er nach Kapstadt, 2009 stieß er zu den African Brothers. Heute trainiert er die Jungen und Mädchen, die sich jeden Nachmittag auf dem Gelände im Stadtteil Gardens treffen. Petros hat es vorerst geschafft, sich von den Drogen zu lösen, seinem Leben so etwas wie einen Sinn zu verleihen. “Menschen müssen sich um andere kümmern”, sagt er. Und hat selbst ein großes Ziel: eines Tages ein professioneller Fußball-Coach zu werden.

Fotografie: Klaus Tiedge

Noch 90 Tage bis zur FIFA WM. Noch 90 Tage, bis Tausende von Berichterstattern aus Deutschland, Europa und der Welt in Südafrika einfallen werden, um von hinter den FIFA-Zäunen aus von einem Land zu berichten, das den meisten ein Buch mit sieben Siegeln ist, was sie aber nicht davon abhält, eine Meinung darüber zu haben. Ich denke mit Grauen an Uli Hoeneß, der mit seinen  Sprüchen zu Südafrika vor allem etwas über die eigene Engstirnigkeit und Ignoranz verraten hat – und nichts über dieses Land.

Südafrika 2010 - das Seminar

Südafrika ist nicht in ein paar Tagen zu erfassen, wer als Berichterstatter zur WM hier ankommt, tut gut daran, sich im Vorfeld über die oft  schwierigen Verhältnisse informiert zu haben. Dazu gibt die Deutsche Afrika Stiftung in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung am kommenden Montag Gelegenheit. Die Referentenliste klingt gut besetzt. Mit dem Sportredakteur des Mail&Guardian ist ein Vertreter des profiliertesten Meinungsmagazins Südafrikas mit von der Partie, eine Gelegneheit zum Gedankenaustausch unter Kollegen, den ich nicht verpassen würde, wäre ich in Berlin. Daneben sprechen diverse Vertreter der FIFA, der Deutschen Afrika-Stiftung , der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Südafriknaischen Botschaft und vom Auswärtigen Amt. Zur abschließenden Diskussion ist auch Winnie Schäfer, der ehemalige Nationaltrainer Kameruns angefragt. Für Kollegen, die es zum WM-Zirkus nach Südafrika verschlagen wird, sicherlich ein hilfreicher Tag der Vorbereitung. Vielleicht gibt der Ressortleiter ja frei …

Interessenten können sich last minute bei Maria Kind von der deutschen Afrika Stiftung melden.

Deutsche-Afrika-Stiftung(at)t-online.de

African Brothers auf dem Weg zum Training

Mitten in Kapstadt, mit Blick auf den berühmten Tafelberg, kicken jeden Nachmittag ein paar Dutzend Kids unter Anleitung ihres Trainers Craig Hepburn. Viele der Jugendlichen kommen aus armen Familien, einige sind Waise.

Die African Brothers Football Academy ist mehr als ein Fußballklub: Seit zehn Jahren setzt sich der Ex-Profi-Fußballer Craig Hepburn für den südafrikanischen Fußballnachwuchs ein, es geht ihm um soziale Entwicklung. Er will die Kids von der Straße holen und über Fußball ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln. Er selbst hat im “Schwarzen-Sport Fußball” als weißer Spieler während seiner aktiven Zeit unter den Bedingungen der Apartheid gelitten, hier liegen die Wurzeln seines sozialen Engagements. Fotograf Klaus Tiedge und der Kapstadtreporter haben die Jungs und ihre Trainer porträtiert. Eine Serie – ab heute in unregelmäßiger Reihenfolge hier im Blog.

Makarapas in der Mache

Bei Grant Nicholls geht es derzeit drunter und drüber. Sein ganzes Haus hat sich in eine Makarapa-Fabrik verwandelt: Die Fan-Helme stehen zum Trocknen am Pool, in der Garage, im Büro und auf dem Rasen. 17 Helfer schneiden, pinseln und kleben 500 Makarapa-Helme im Monat. Doch für den Marketing-Fachmann aus Johannesburg ist das erst der Anfang. 40.000 sollen es werden, bis die Weltmeisterschaft beginnt.

Nicholls’ Geschichte mit den bunt verzierten Helmen begann vor 15 Jahren. Damals lernte er als Sponsorship-Manager der Firma Total einen einfachen Mann aus einer Wellblechsiedlung bei Soweto kennen: Alfred Baloyi, den seine Freunde Lux nennen. Lux versorgte die Fans der Kaizer Chiefs, des von Total gesponsorten Fußballclubs von Soweto, mit eben jenen Makarapa. In seiner kleinen Hütte schnitzte er Figuren aus Bauhelmen heraus, klappte sie hoch, klebte Fähnchen an und bemalte sie in den Farben des Clubs. Jeder Helm ein Unikat. Die Nachfrage: groß.

Auf die Idee mit den Makarapa war Alfred Baloyi schon 1979 gekommen. Im Stadion von Soweto ging es in jenen Tagen wild zu. Oft musste Baloyi mit ansehen, wie Fans von Bierflaschen getroffen wurden. Read the rest of this entry »