In Midrand bei Johannesburg boomt die IT-Branche und Südafrikas Völkergemisch arbeitet tüchtig an der Verwirklichung eines „African Dream“

Siemens-Zentrale in Midrand

„Vor fünfzehn Jahren,“ sagt Franz Hermanns und holt zu einer weiten Geste aus, „gab es hier in Midrand nichts als Felder, Wiesen und Pferde!“ Damals beknieten die Behörden seinen Partner und ihn, einen Teil der alten Farm Randjesfontein zu übernehmen und darauf ein Gästehaus zu errichten. Die Baugenehmigung kam hinterher.

Nicht Touristen hatten die beiden gemütlichen Aachener im Sinn, als sie ihre Guinea Lodge eröffneten: Ihre Kunden sind Geschäftsleute aus Europa, die wenigstens abends am Pool ein klein wenig Safari-Gefühl mit Blick auf strohgedeckte Dächer genießen wollen.  Denn wer heute von Randjesfontein über die sanften Hügel Midrands schaut, Read the rest of this entry »

Anton Kannemeyer: The Liberals

Seit letzter Woche zeigt Kapstadts herausragende Michael-Stevenson-Galerie zwei Künstler, die sich auf ganz unterschiedliche Art mit Rassen- und Geschlechterfragen auseinandersetzen. Beide für sich sind bemerkenswerte Künstler, beide rütteln auf ganz unterschiedliche Weise an den Tabus der südafrikanischen Gesellschaft. Es spricht sehr für die Galerie und ihre Ausstellungmacher, dass sie beide Künstler zeitgleich gegenüberstellen: Es erlaubt dem Besucher einen fast kaleidoskophaften Blick auf die aktuellen Race- und Gender-Debatten am Kap.

Zanele Muholi: Caitlin and I

Die Fotografin Zanele Muholi erlangte in Südafrika vor ein paar Wochen ungewollt Berühmtheit, als Read the rest of this entry »

Frauen protestieren gestern vor dem Gerichtsgebäude

Die am Freitag vermutlich aus Hassmotiven vergewaltigte Millicent ist aus dem Krankenhaus entlassen, in das man sie am Montagabend wegen starker Blutungen verlegen musste. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Ihr Vergewaltiger sitzt hinter Gittern. Das Gericht für Sexualstraftaten (Sexual Offences Court) im Stadtteil Wynberg hat am Dienstag seine erste Anhörung vertagt. Auf den 13. April

Die rund 50 Frauen und die wenigen Männer, die seit zwei Stunden vor dem Gerichtsgebäude ausharren, macht die Nachricht nicht wirklich glücklich, aber Read the rest of this entry »

 

Millicent Gaika (30) überlebte die Vergewaltigung von Freitagnacht mit schweren Verletzungen

 

Ihr einziger Fehler war es, den Nachbarn von Freunden um Feuer zu fragen. Ihr Vergewaltiger Nqinqo K. zog Millicent Gaika (30) in seine Hütte und ein fünfstündiges Martyrium begann. Nqinqo war für die junge Frau kein Unbekannter. Schon oft Read the rest of this entry »

Noch 90 Tage bis zur FIFA WM. Noch 90 Tage, bis Tausende von Berichterstattern aus Deutschland, Europa und der Welt in Südafrika einfallen werden, um von hinter den FIFA-Zäunen aus von einem Land zu berichten, das den meisten ein Buch mit sieben Siegeln ist, was sie aber nicht davon abhält, eine Meinung darüber zu haben. Ich denke mit Grauen an Uli Hoeneß, der mit seinen  Sprüchen zu Südafrika vor allem etwas über die eigene Engstirnigkeit und Ignoranz verraten hat – und nichts über dieses Land.

Südafrika 2010 - das Seminar

Südafrika ist nicht in ein paar Tagen zu erfassen, wer als Berichterstatter zur WM hier ankommt, tut gut daran, sich im Vorfeld über die oft  schwierigen Verhältnisse informiert zu haben. Dazu gibt die Deutsche Afrika Stiftung in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung am kommenden Montag Gelegenheit. Die Referentenliste klingt gut besetzt. Mit dem Sportredakteur des Mail&Guardian ist ein Vertreter des profiliertesten Meinungsmagazins Südafrikas mit von der Partie, eine Gelegneheit zum Gedankenaustausch unter Kollegen, den ich nicht verpassen würde, wäre ich in Berlin. Daneben sprechen diverse Vertreter der FIFA, der Deutschen Afrika-Stiftung , der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Südafriknaischen Botschaft und vom Auswärtigen Amt. Zur abschließenden Diskussion ist auch Winnie Schäfer, der ehemalige Nationaltrainer Kameruns angefragt. Für Kollegen, die es zum WM-Zirkus nach Südafrika verschlagen wird, sicherlich ein hilfreicher Tag der Vorbereitung. Vielleicht gibt der Ressortleiter ja frei …

Interessenten können sich last minute bei Maria Kind von der deutschen Afrika Stiftung melden.

Deutsche-Afrika-Stiftung(at)t-online.de

Vom ANC lernen, heißt siegen lernen: Zwischen  Kap und Limpopo wird der gemeine Arbeiter seit dem demokratischen Umbruch von 1994 nicht länger um verdientes Nichtstun gebracht, nur weil ein staatlicher Feiertag auf einen christlichen Sonntag fällt. Die Rainbownation hat dann eben montags frei. Guter Grund die Metropole am Kap mal für einen kleinen Ausflug zu verlassen.

Evitas Bahnhof in Darling

Die Wahl fällt auf Darling. Das sympathische Nest mit der typisch südafrikanischen Dreifaltigkeit (Kirche, Tankstelle, Liquorstore) im Ortszentrum, liegt
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Eine mutige Frau kämpft in einem Kapstädter Vorort gegen die allgegenwärtige Gewalt

Ndumie Funda (re.) mit Freundin Thembie Foto: (c) Alexander Groves

Ndumie Funda lebt mit ihrer Freundin Thembie in einer 10-Quadratmeter großen Bretterbude in Nyanga. Die windschiefe Konstruktion steht im Vorgarten eines winzigen Hauses, in dem gleich zwei Familien wohnen. Der Weg zur einzigen Toilette, im Hinterhof, führt durchs Wohnzimmer.

In der Baracke selbst ist es aufgeräumt und überraschend gemütlich. Die eine Hälfte des Raums nimmt ein Bett ein, groß genug für die beiden stämmigen Frauen, die hier zusammen schlafen. In der Ecke flimmert ein Computerbildschirm, auch einen Fernseher gibt es und einen Kühlschrank mit Eisfach. In einer kleinen Boombox dreht sich eine Gospel-CD. Die Besuchercouch ist ausziehbar. Hier bietet Ndumie bedrohten lesbischen Frauen Übernachtung und Schutz an.

Der ist auch bitter nötig. 2005 starb die erste Read the rest of this entry »

Südafrikas staatliche Feiertage lesen sich, als seien sie auf einem Parteitag der Grünen beschlossen worden: Es gibt den Tag der Jugend, den nationalen Frauentag, den Tag der Versöhnung, den Tag der Freiheit, den Tag des (kulturellen) Erbes und den Tag der Menschenrechte, den 21. März.

Sharpeville, heute vor 50 Jahren

Heute vor genau 50 Jahren hatte der Panafrikanische Kongress, eine Gruppe, die aus dem ANC hervorgegangen war, in Sharpeville zu einem friedlichen Protest gegen die diskriminierenden Passgesetze des Apartheidstaats aufgerufen.Viele tausend Bewohner des südlich von Johannesburg gelegenen Townships folgten dem Aufruf und verbrannten öffentlich ihre Pässe – die Polizei schoss in die Menge. Am Abend des 21. März 1960 lagen 69 Schwarze erschossen auf der Straße, Read the rest of this entry »

200 Südafrikaner prostestieren gegen Todesstrafe in Uganda

Knapp zweihundert Menschen aller Rassen haben am Freitag nachmittag vor dem Parlament in Kapstadt für die Rechte von Schwulen und Lesben in Uganda und anderswo in Afrika demonstriert. Der Protest richtete sich vor allem gegen ein in Uganda geplantes Gesetz, das homosexuelle Handlungen zum Teil mit dem Tod bedroht.. Die Demonstranten forderten außerdem den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma auf, den offen homophoben Ex-Journalisten Jon Qwelane auf keinen Fall wie geplant zum nächsten Botschafter Südafrikas in Uganda zu machen. Spekulationen über Qwelanes Berufung haben in Südafrika in den vergangenen Wochen eine Kontroverse ausgelöst. Eine Zeitung schrieb, Qwelane zum Botschafter in Uganda zu bestellen sei, als würde man Goebbels zum Botschafter in Israel ernennen. Auf dem Protest sprach auch der Dean der anglikanischen St. Georges Kathedrale in Kapstadt. Smith sagte, er sei niacht als schwuler Mann gekommen, sondern als Bürger Südafrikas, dessen Verfassung die Grundrechte auch für die LGBT-Community garantiere. Qwelane repräsentiere diese Verfassung nicht, und  sei damit für diesen Posten nicht tragbar.