In Midrand bei Johannesburg boomt die IT-Branche und Südafrikas Völkergemisch arbeitet tüchtig an der Verwirklichung eines „African Dream“

Siemens-Zentrale in Midrand

„Vor fünfzehn Jahren,“ sagt Franz Hermanns und holt zu einer weiten Geste aus, „gab es hier in Midrand nichts als Felder, Wiesen und Pferde!“ Damals beknieten die Behörden seinen Partner und ihn, einen Teil der alten Farm Randjesfontein zu übernehmen und darauf ein Gästehaus zu errichten. Die Baugenehmigung kam hinterher.

Nicht Touristen hatten die beiden gemütlichen Aachener im Sinn, als sie ihre Guinea Lodge eröffneten: Ihre Kunden sind Geschäftsleute aus Europa, die wenigstens abends am Pool ein klein wenig Safari-Gefühl mit Blick auf strohgedeckte Dächer genießen wollen.  Denn wer heute von Randjesfontein über die sanften Hügel Midrands schaut, Read the rest of this entry »

Anton Kannemeyer: The Liberals

Seit letzter Woche zeigt Kapstadts herausragende Michael-Stevenson-Galerie zwei Künstler, die sich auf ganz unterschiedliche Art mit Rassen- und Geschlechterfragen auseinandersetzen. Beide für sich sind bemerkenswerte Künstler, beide rütteln auf ganz unterschiedliche Weise an den Tabus der südafrikanischen Gesellschaft. Es spricht sehr für die Galerie und ihre Ausstellungmacher, dass sie beide Künstler zeitgleich gegenüberstellen: Es erlaubt dem Besucher einen fast kaleidoskophaften Blick auf die aktuellen Race- und Gender-Debatten am Kap.

Zanele Muholi: Caitlin and I

Die Fotografin Zanele Muholi erlangte in Südafrika vor ein paar Wochen ungewollt Berühmtheit, als Read the rest of this entry »

Fast drei Millionen Zugriffe: Die Antwoord machen Hip-Hop auf Afrikaans. Mehr dazu im untenstehenden Artikel: Die Afrikaaner-Krise!

Zu den interessanteren Filmen des Cape Wineland Filmfestival, das noch bis Samstag läuft, gehört die Dokumentation “Afrikaner, Afrikaan” der jungen Filmemacherin Rina Jooste. Der Film untersucht die Identitätskrise der ehemals herrschenden Ethnie des Landes anhand ihrer Musik. Buren-Musik als Ausdruck der Sehnsucht nach einer untergegangenen Welt einerseits, Afrikaaner-Rock als Ausdruck eines unbändigen Drangs nach Rebellion gegen das enge Buren-Korsett aus Rassismus und Calvinismus andererseits.

Afrikaaner-Kommando aus dem Burenkrieg

Als ich nach Südafrika kam, war das letzte, was mich interessierte die Buren. Viel zu spannend der Blick auf all die fremden, schwarzafrikanischen Kulturen. Doch je länger ich hier lebe, umso mehr faszinieren mich die rund 3 Millionen Nachfahren dieser holländischen, deutschen, skandinavischen und französischen Siedler, die irgendwann im 18 . Jahrhundert beschlossen, künftig nicht mehr Europäer zu sein, sondern Afrikaner.

Zunächst schien der Fall für mich klar: Ein Volk rückständiger Rassisten, von der unterdrückten Read the rest of this entry »

Vom ANC lernen, heißt siegen lernen: Zwischen  Kap und Limpopo wird der gemeine Arbeiter seit dem demokratischen Umbruch von 1994 nicht länger um verdientes Nichtstun gebracht, nur weil ein staatlicher Feiertag auf einen christlichen Sonntag fällt. Die Rainbownation hat dann eben montags frei. Guter Grund die Metropole am Kap mal für einen kleinen Ausflug zu verlassen.

Evitas Bahnhof in Darling

Die Wahl fällt auf Darling. Das sympathische Nest mit der typisch südafrikanischen Dreifaltigkeit (Kirche, Tankstelle, Liquorstore) im Ortszentrum, liegt
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Südafrikas staatliche Feiertage lesen sich, als seien sie auf einem Parteitag der Grünen beschlossen worden: Es gibt den Tag der Jugend, den nationalen Frauentag, den Tag der Versöhnung, den Tag der Freiheit, den Tag des (kulturellen) Erbes und den Tag der Menschenrechte, den 21. März.

Sharpeville, heute vor 50 Jahren

Heute vor genau 50 Jahren hatte der Panafrikanische Kongress, eine Gruppe, die aus dem ANC hervorgegangen war, in Sharpeville zu einem friedlichen Protest gegen die diskriminierenden Passgesetze des Apartheidstaats aufgerufen.Viele tausend Bewohner des südlich von Johannesburg gelegenen Townships folgten dem Aufruf und verbrannten öffentlich ihre Pässe – die Polizei schoss in die Menge. Am Abend des 21. März 1960 lagen 69 Schwarze erschossen auf der Straße, Read the rest of this entry »

Wer aus einer europäischen Kulturmetropole nach Kapstadt zieht, der muss sich an eines erst gewöhnen: das doch recht bescheidene Angebot an Theater, Kunst und Film. Umso wichtiger werden die zahlreichen Festivals, die einem das Gefühl vermitteln, mit dem Rest der Welt “da oben” wieder in Kontakt zu treten. Das Cape Winelands Film Festival gehört zu den wichtigeren und spannenderen. Bis zum 27.3. zollen die Macher unter anderem dem britischen Filmemacher Terence Davis und dem Franzosen Alain Resnais Tribut. Ich freue mich aber auch auf ein paar Filme aus Südafrika. “I now pronounce you black and white” über eine der immer noch sehr seltenen Ehen zwischen Schwarz und Weiß zum Beispiel oder das Apartheid-Drama “Master Harold and the Boys” Als schwuler Mann bin ich natürlich auch gespannt auf “Eyes Wide Open”, die homoerotische Liebesgeschichte aud der ultra-orthodoxen jüdischen Gesellschaft. Das Festival geht noch bis kommenden Samstag in den Kapstädter Labia-Kinos, dem Amphitheater der Spiers Winery und im Filmsaal der örtlichen Medienschule CityVarsity.

Wissen Sie, wie man ein Steak à la Zulu zubereitet? Der Kellner im Johannesburger Edelrestaurant verzieht keine Miene: „Es wird zunächst getreten, gewürgt, in Schlamm getaucht, dann gesteinigt, schließlich sticht man ihm die Augen aus und bindet das Gemächte zu einem festen Knoten. Zum Abschmecken übergießt man es mit einer Balsamico-Reduktion.“

Madam & Eve nehmen dann doch lieber den Fisch.

Ein Comic-Strip begleitet die Südafrikaner durch die wilden Jahre der Post-Apartheid. Read the rest of this entry »