Eine mutige Frau kämpft in einem Kapstädter Vorort gegen die allgegenwärtige Gewalt

Ndumie Funda (re.) mit Freundin Thembie Foto: (c) Alexander Groves

Ndumie Funda lebt mit ihrer Freundin Thembie in einer 10-Quadratmeter großen Bretterbude in Nyanga. Die windschiefe Konstruktion steht im Vorgarten eines winzigen Hauses, in dem gleich zwei Familien wohnen. Der Weg zur einzigen Toilette, im Hinterhof, führt durchs Wohnzimmer.

In der Baracke selbst ist es aufgeräumt und überraschend gemütlich. Die eine Hälfte des Raums nimmt ein Bett ein, groß genug für die beiden stämmigen Frauen, die hier zusammen schlafen. In der Ecke flimmert ein Computerbildschirm, auch einen Fernseher gibt es und einen Kühlschrank mit Eisfach. In einer kleinen Boombox dreht sich eine Gospel-CD. Die Besuchercouch ist ausziehbar. Hier bietet Ndumie bedrohten lesbischen Frauen Übernachtung und Schutz an.

Der ist auch bitter nötig. 2005 starb die erste von Ndumies Bekannten, Luleka Makiwane, an den Folgen von Aids. Infiziert wurde sie während einer Vergewaltigung, einer Massenorgie der Gewalt, die in Südafrika als „corrective rape“ bekannt ist. Männer vergewaltigen Lesben, um sie „umzupolen“. Die meisten Frauen und Mädchen überleben die Tat nicht oder sterben Jahre später an den Folgen. Der Mord an Schwulen und Lesben gehört in Südafrikas Townships zum Alltag. Acht Tote gab es allein in Guguletu in den letzten fünf Jahren: Vergewaltigt, erschossen, erstochen. Die Überlebenden schweigen für gewöhnlich, aus Angst die nächsten zu sein.

Luleka blieb nicht hat der letzte Verlust in Ndumies Leben. Der Tod ihrer großen Liebe Nomsa kurz vor Weihnachten 2007 ließ in Ndumie die Erkenntnis reifen, dass etwas geschehen muss. Fünf Jahre zuvor hatte ausgerechnet Nomsas beste Schulfreundin einer Gruppe junger Männer den Tipp gegeben, das junge Mädchen müsse durch eine Vergewaltigung zurück auf den heterosexuellen Weg gebracht werden. Fünf Täter fielen in der Dämmerung über sie her, stundenlang, Messer an der Kehle. Nichts ungewöhnliches, jeder dritte schwarze Jugendliche in Südafrika zählt laut einer Umfrage „gang rape“ zu seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen.

Jahrelang schwieg das junge Mädchen, das zum Zeitpunkt der Tat noch Jungfrau war, aus Scham, auch gegenüber Ndumie, ihrer ersten großen Liebe. Erst als Ndumie beim Sex entzündete Wunden in Nomsas Vagina ertastete, erfuhr sie das ganze Ausmaß der Tragödie. Was folgte, war ein medizinischer und menschlicher Alptraum. Ein positiver HIV-Test, fünf Operationen. Die beiden Frauen trennten sich, die seelische Last erdrückte die Beziehung. Nomsa, zu diesem Zeitpunkt schon in Depressionen verfallen, verweigerte jede weitere Behandlung. Bald darauf erkrankte sie an einer Cryptokokken-Meningitis, eine Folge der HIV-Infektion. Völlig entkräftet starb sie am 15. Dezember 2007. Das letzte was sie sich wünschte war, Ndumie noch einmal zu sehen.

Bald nach Nomsas Tod gründete Ndumie die Gruppe „Lulekisizwe“, benannt nach den beiden toten Frauen, die ihr am nächsten gestanden hatten. Die Organisation hat keine Räume und kein Budget. Ndumies Baracke ist Büro und Übernachtungsmöglichkeit zugleich. Allenfalls ein paar private Spenden gehen auf das Konto von Lulekisizwe, grade genug, um Fotokopien zu bezahlen. Ndumies ganzer Stolz ist eine lesbische Fußballmannschaft, mit der sie das Gemeinschaftsgefühl unter den lesbischen Frauen Guguletus stärken möchte.

Spenden an Lulekisizwe:

Account Name: Luleki Sizwe LBT Women’s Project

Business transaction account 071362940

Branch code 024909

Swift code SBZA ZA JJ STANDARD BANK

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