Millicent Gaika (30) überlebte die Vergewaltigung von Freitagnacht mit schweren Verletzungen

 

Ihr einziger Fehler war es, den Nachbarn von Freunden um Feuer zu fragen. Ihr Vergewaltiger Nqinqo K. zog Millicent Gaika (30) in seine Hütte und ein fünfstündiges Martyrium begann. Nqinqo war für die junge Frau kein Unbekannter. Schon oft hatten sich die beiden gesehen, wenn Millicent ihre Freunde besuchte, die auf dem gleichen Gelände leben. Mehrere Hütten stehen neben dem Haus an einer belebten Straße in Guguletu, einem Township knapp 15 Kilometer von Kapstadts Innenstadt enfernt.

Tatort in Guguletu

 

Das Innere der Hütte, zwei Tage nach der Tat ...

 

Gegen 21 Uhr war Millicent mit einer weiteren Freundin in dem Haus angekommen. Gegen elf verließ sie die Gruppe, um Feuer zu holen. Obwohl sie nicht zurückkehrte, schöpften ihre Bekannten keinen Verdacht, die Frauen glaubten, Millicent sei nach Hause gegangen.

... blutverschmierte Matratze und ...

 

... die verdreckte Hose des Opfers. Spurensicherung? Fehlanzeige.

 

In Wahrheit wurde sie keine 10 Meter Luftlinie Opfer eines Gewaltverbrechens, das in Südafrika unter dem Namen “corrective rape” bekannt ist. Auch für Nqinqo war die Homosexualität seines Opfers offensichtlich zumindest teilweise das Tatmotiv. “You act like a man!” rief er während der Tat immer wieder, und er werde der Lesbe nun “einen Sohn machen”. Millicent wehrte sich und schrie um Hilfe, weswegen der Täter sie während der stundenlangen Vergewaltigung immer wieder schlug und würgte. Nachbarn, die aufgrund des Lärms argwöhnisch wurden, fertigte der Täter an der Tür mit den Worten ab, es handele sich lediglich um seine betrunkene Freundin.

Viele Anwohner bestätigten heute, sie hätten über Stunden versucht, die Polizei zu alarmieren: ohne Erfolg. Zwei Männer aus Simbabwe, die in der Hütte nebenan wohnen, sagten, die meiste Zeit sei beim Einsatzkommando niemand ans Telefon gegangen. Erst gegen vier Uhr morgens hatten die beiden Männer Erfolg: Ein Polizeiwagen traf ein, es folgte ein Tumult, in dessen Verlauf Nqinqo K. festgenommen wurde. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Millicent Gaika wurde im Krankenhaus behandelt und wird derzeit an einem sicheren Ort von Mitgliedern der Selbsthilfegruppe Lulekisizwe betreut. Für Millicent ist dies bereits die zweite traumatische Erfahrung mit em Thema. Bereits 2002 war sie Opfer einer Vergewaltigung geworden, weil sie in Guguletu als Lesbe bekannt ist.

Die Wut über die Tat ist in der Nachbarschaft auch zwei Tage danach noch überall zu spüren. Frust herrscht über die Polizei, die das Thema offensichtlich nicht ernst genug nimmt. Viele der Nachbarn befürchten, der Täter könne freikommen, sollte sich jemand finden, der die (gewöhnlich geringe) Kaution für ihn aufbringt. Rufe nach Lynchjustiz werden laut. Der Tat zeigt aber auch, wie tabuisiert das Thema in der südafrikanischen Gesellschaft bis heute ist: Stunden nach seiner Verhaftung offenbarte seine Nichte der Familiedes Täters, mehrfach von Nqinqo K. vergewaltigt worden zu sein, worauf auch andere Familienmitglieder ihr Schweigen brachen: Es stellte sich heraus, dass mehrere weibliche Verwandte  über Jahre von ihm sexuell missbraucht worden sind. Und wegen einer weiteren Vergewaltigung war Nqinqo K. sogar schon vorbestraft.

Für Ndumie Funda von der Selbshilfegruppe Lulekisizwe ist dieser letze Fall der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Sie plant eine Demonstration gegen “Corrective Rape” in der Township. Millicent ist selbst ein Mitglied der Gruppe und begeisterte Fußballspielerin im Team von Lulekisizwe. Sie hat der Veröffentlichung ihres Fotos und Namens auch deshalb zugestimmt, weil sie weiß: Wenn nicht bald etwas passiert, wird eine ihrer Freundinnen die Nächste sein.

Die Tat von Karfreitag wirft besonders für Außenstehende viele Fragen auf: Die nach der Ursache der massenhaften Gewalt gegen Frauen und insbesondere Lesben in der südafrikanischen Gesellschaft, die Frage nach der Tabuisierung von Themen wie Sexualität und Gewalt, die Frage nach Zivilcourage, Fragen zum Versagen der Sicherheitskräfte und der Justiz. All diesen Fragen wird sich der Kapstadtreporter in den nächsten Tagen und Wochen zuwenden.

Die Frauen aus der Nachbarschaft sind wütend. Sie fühlen sich schutzlos

 

Lulekisizwe arbeitet derzeit ohne jede staatliche oder private Unterstützung, sie ist eine Organisation der betroffenen Frauen selbs. Alle von ihnen besitzen gerade das Mindeste, um sich selbst zu versorgen. Darum sind Spenden dringend notwendig, um Frauen wie Millicent nach einer solchen Tat mit Medikamenten und Nahrungmitteln zu versorgen. Der Kapstadtreporter freut sich über jede Spende:

Kontoname:

  • Luleki Sizwe LBT Women’s Project, 
  • Business transaction account 071362940, 
  • Branch Code 024909, 
  • Swift Code SBZA ZA JJ STANDARD BANK 
  • Betreff: Spendenaktion Millicent
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