Noch 90 Tage bis zur FIFA WM. Noch 90 Tage, bis Tausende von Berichterstattern aus Deutschland, Europa und der Welt in Südafrika einfallen werden, um von hinter den FIFA-Zäunen aus von einem Land zu berichten, das den meisten ein Buch mit sieben Siegeln ist, was sie aber nicht davon abhält, eine Meinung darüber zu haben. Ich denke mit Grauen an Uli Hoeneß, der mit seinen  Sprüchen zu Südafrika vor allem etwas über die eigene Engstirnigkeit und Ignoranz verraten hat – und nichts über dieses Land.

Südafrika 2010 - das Seminar

Südafrika ist nicht in ein paar Tagen zu erfassen, wer als Berichterstatter zur WM hier ankommt, tut gut daran, sich im Vorfeld über die oft  schwierigen Verhältnisse informiert zu haben. Dazu gibt die Deutsche Afrika Stiftung in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung am kommenden Montag Gelegenheit. Die Referentenliste klingt gut besetzt. Mit dem Sportredakteur des Mail&Guardian ist ein Vertreter des profiliertesten Meinungsmagazins Südafrikas mit von der Partie, eine Gelegneheit zum Gedankenaustausch unter Kollegen, den ich nicht verpassen würde, wäre ich in Berlin. Daneben sprechen diverse Vertreter der FIFA, der Deutschen Afrika-Stiftung , der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Südafriknaischen Botschaft und vom Auswärtigen Amt. Zur abschließenden Diskussion ist auch Winnie Schäfer, der ehemalige Nationaltrainer Kameruns angefragt. Für Kollegen, die es zum WM-Zirkus nach Südafrika verschlagen wird, sicherlich ein hilfreicher Tag der Vorbereitung. Vielleicht gibt der Ressortleiter ja frei …

Interessenten können sich last minute bei Maria Kind von der deutschen Afrika Stiftung melden.

Deutsche-Afrika-Stiftung(at)t-online.de

African Brothers auf dem Weg zum Training

Mitten in Kapstadt, mit Blick auf den berühmten Tafelberg, kicken jeden Nachmittag ein paar Dutzend Kids unter Anleitung ihres Trainers Craig Hepburn. Viele der Jugendlichen kommen aus armen Familien, einige sind Waise.

Die African Brothers Football Academy ist mehr als ein Fußballklub: Seit zehn Jahren setzt sich der Ex-Profi-Fußballer Craig Hepburn für den südafrikanischen Fußballnachwuchs ein, es geht ihm um soziale Entwicklung. Er will die Kids von der Straße holen und über Fußball ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln. Er selbst hat im “Schwarzen-Sport Fußball” als weißer Spieler während seiner aktiven Zeit unter den Bedingungen der Apartheid gelitten, hier liegen die Wurzeln seines sozialen Engagements. Fotograf Klaus Tiedge und der Kapstadtreporter haben die Jungs und ihre Trainer porträtiert. Eine Serie – ab heute in unregelmäßiger Reihenfolge hier im Blog.

Vom ANC lernen, heißt siegen lernen: Zwischen  Kap und Limpopo wird der gemeine Arbeiter seit dem demokratischen Umbruch von 1994 nicht länger um verdientes Nichtstun gebracht, nur weil ein staatlicher Feiertag auf einen christlichen Sonntag fällt. Die Rainbownation hat dann eben montags frei. Guter Grund die Metropole am Kap mal für einen kleinen Ausflug zu verlassen.

Evitas Bahnhof in Darling

Die Wahl fällt auf Darling. Das sympathische Nest mit der typisch südafrikanischen Dreifaltigkeit (Kirche, Tankstelle, Liquorstore) im Ortszentrum, liegt
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A brave woman and her struggle against the omnipresent violence in a township outside of Cape Town

Ndumie Funda lives with her girlfriend Thembie in a 10m2 shack in Nyanga. Askew, the construction stands in the front yard of a tiny house where two families live. The path to the only toilet, in the back yard, leads through the living room.

Inside the shack everything is tidy and surprisingly cosy. The bed takes up half of the room, large enough for the two stocky women who sleep there. A computer screen flickers in one corner, there is also a television and a refrigerator with small freezer compartment. A gospel music CD is spinning in a small boom box. The couch pulls out into a bed. Here is where Ndumie offers an overnight stay and protection to lesbians who feel threatened.

The situation and need is dire. In 2005 the first of Ndumie’s acquaintances, Luleka Makiwane, died of complications caused by HIV, the virus that causes Aids. She had been infected during a rape, a mass orgy of violence that in South Africa is known as ‘corrective rape’. Men rape lesbians in order to ‘switch them’ to heterosexuality. The majority of women and girls do not survive the attack or die years later of its consequences. The murder of gays and lesbians is part of everyday life in the townships in South Africa. Alone in Guguletu over the past five years there have been eight deaths: raped, shot, stabbed. The survivors normally keep quiet out of fear that they might be next.

Luleka did not remain the last loss in Ndumie’s life. The death of her great love Nomsa just before Christmas in 2007 made Ndumie aware that something had to be done. Five years earlier it was Nomsa’s best girlfriend from school of all people who gave a group of young men the tip that young girls had to be brought back onto the path of heterosexuality through rape. Five assailants attack her at twilight, for hours, a knife to her throat. Nothing unusual – according to a survey one of every three black male juveniles in South Africa counts ‘gang rape’ as one of his favourite leisure-time activities.

The young girl, who was still a virgin at the time of the attack, remained silent for years because of shame. She also didn’t initially tell Ndumie, her first great love. It wasn’t until Ndumie felt infected wounds in Nomsa’s vagina during sex that she discovered the full extent of the tragedy. What followed was a physical and psychological nightmare.  A positive HIV test, five operations. The two women separated, their relationship crushed by the psychic weight. Nomsa, already suffering under severe depression at that moment, refused any further treatment. Shortly thereafter she contracted a cryptococcal meningitis, a result of her HIV infection. Completely enfeebled she died on 15 December 2007. Her last wish was to see Ndumie again.

Shortly after Nomsa’s death Ndumie founded the group ‘Lulekisizwe’ – named after the two dead women she had cared for so much. The organisation has neither a space nor a budget. Ndumie’s shack is both office and a place to spend the night. At most a few private donations are made into the accounts of Lulekisizwe, just enough to pay for a few photocopies. Ndumie’s pride and joy is a lesbian football team with which she wants to strengthen the sense of community among the lesbians in Guguletu.

Donations to Lulekisizwe:

Account Name: Luleki Sizwe LBT Women’s Project

Business transaction account 071362940

Branch code 024909

Swift code SBZA ZA JJ STANDARD BANK

Eine mutige Frau kämpft in einem Kapstädter Vorort gegen die allgegenwärtige Gewalt

Ndumie Funda (re.) mit Freundin Thembie Foto: (c) Alexander Groves

Ndumie Funda lebt mit ihrer Freundin Thembie in einer 10-Quadratmeter großen Bretterbude in Nyanga. Die windschiefe Konstruktion steht im Vorgarten eines winzigen Hauses, in dem gleich zwei Familien wohnen. Der Weg zur einzigen Toilette, im Hinterhof, führt durchs Wohnzimmer.

In der Baracke selbst ist es aufgeräumt und überraschend gemütlich. Die eine Hälfte des Raums nimmt ein Bett ein, groß genug für die beiden stämmigen Frauen, die hier zusammen schlafen. In der Ecke flimmert ein Computerbildschirm, auch einen Fernseher gibt es und einen Kühlschrank mit Eisfach. In einer kleinen Boombox dreht sich eine Gospel-CD. Die Besuchercouch ist ausziehbar. Hier bietet Ndumie bedrohten lesbischen Frauen Übernachtung und Schutz an.

Der ist auch bitter nötig. 2005 starb die erste Read the rest of this entry »

Südafrikas staatliche Feiertage lesen sich, als seien sie auf einem Parteitag der Grünen beschlossen worden: Es gibt den Tag der Jugend, den nationalen Frauentag, den Tag der Versöhnung, den Tag der Freiheit, den Tag des (kulturellen) Erbes und den Tag der Menschenrechte, den 21. März.

Sharpeville, heute vor 50 Jahren

Heute vor genau 50 Jahren hatte der Panafrikanische Kongress, eine Gruppe, die aus dem ANC hervorgegangen war, in Sharpeville zu einem friedlichen Protest gegen die diskriminierenden Passgesetze des Apartheidstaats aufgerufen.Viele tausend Bewohner des südlich von Johannesburg gelegenen Townships folgten dem Aufruf und verbrannten öffentlich ihre Pässe – die Polizei schoss in die Menge. Am Abend des 21. März 1960 lagen 69 Schwarze erschossen auf der Straße, Read the rest of this entry »

Wer aus einer europäischen Kulturmetropole nach Kapstadt zieht, der muss sich an eines erst gewöhnen: das doch recht bescheidene Angebot an Theater, Kunst und Film. Umso wichtiger werden die zahlreichen Festivals, die einem das Gefühl vermitteln, mit dem Rest der Welt “da oben” wieder in Kontakt zu treten. Das Cape Winelands Film Festival gehört zu den wichtigeren und spannenderen. Bis zum 27.3. zollen die Macher unter anderem dem britischen Filmemacher Terence Davis und dem Franzosen Alain Resnais Tribut. Ich freue mich aber auch auf ein paar Filme aus Südafrika. “I now pronounce you black and white” über eine der immer noch sehr seltenen Ehen zwischen Schwarz und Weiß zum Beispiel oder das Apartheid-Drama “Master Harold and the Boys” Als schwuler Mann bin ich natürlich auch gespannt auf “Eyes Wide Open”, die homoerotische Liebesgeschichte aud der ultra-orthodoxen jüdischen Gesellschaft. Das Festival geht noch bis kommenden Samstag in den Kapstädter Labia-Kinos, dem Amphitheater der Spiers Winery und im Filmsaal der örtlichen Medienschule CityVarsity.

Makarapas in der Mache

Bei Grant Nicholls geht es derzeit drunter und drüber. Sein ganzes Haus hat sich in eine Makarapa-Fabrik verwandelt: Die Fan-Helme stehen zum Trocknen am Pool, in der Garage, im Büro und auf dem Rasen. 17 Helfer schneiden, pinseln und kleben 500 Makarapa-Helme im Monat. Doch für den Marketing-Fachmann aus Johannesburg ist das erst der Anfang. 40.000 sollen es werden, bis die Weltmeisterschaft beginnt.

Nicholls’ Geschichte mit den bunt verzierten Helmen begann vor 15 Jahren. Damals lernte er als Sponsorship-Manager der Firma Total einen einfachen Mann aus einer Wellblechsiedlung bei Soweto kennen: Alfred Baloyi, den seine Freunde Lux nennen. Lux versorgte die Fans der Kaizer Chiefs, des von Total gesponsorten Fußballclubs von Soweto, mit eben jenen Makarapa. In seiner kleinen Hütte schnitzte er Figuren aus Bauhelmen heraus, klappte sie hoch, klebte Fähnchen an und bemalte sie in den Farben des Clubs. Jeder Helm ein Unikat. Die Nachfrage: groß.

Auf die Idee mit den Makarapa war Alfred Baloyi schon 1979 gekommen. Im Stadion von Soweto ging es in jenen Tagen wild zu. Oft musste Baloyi mit ansehen, wie Fans von Bierflaschen getroffen wurden. Read the rest of this entry »

Wissen Sie, wie man ein Steak à la Zulu zubereitet? Der Kellner im Johannesburger Edelrestaurant verzieht keine Miene: „Es wird zunächst getreten, gewürgt, in Schlamm getaucht, dann gesteinigt, schließlich sticht man ihm die Augen aus und bindet das Gemächte zu einem festen Knoten. Zum Abschmecken übergießt man es mit einer Balsamico-Reduktion.“

Madam & Eve nehmen dann doch lieber den Fisch.

Ein Comic-Strip begleitet die Südafrikaner durch die wilden Jahre der Post-Apartheid. Read the rest of this entry »

200 Südafrikaner prostestieren gegen Todesstrafe in Uganda

Knapp zweihundert Menschen aller Rassen haben am Freitag nachmittag vor dem Parlament in Kapstadt für die Rechte von Schwulen und Lesben in Uganda und anderswo in Afrika demonstriert. Der Protest richtete sich vor allem gegen ein in Uganda geplantes Gesetz, das homosexuelle Handlungen zum Teil mit dem Tod bedroht.. Die Demonstranten forderten außerdem den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma auf, den offen homophoben Ex-Journalisten Jon Qwelane auf keinen Fall wie geplant zum nächsten Botschafter Südafrikas in Uganda zu machen. Spekulationen über Qwelanes Berufung haben in Südafrika in den vergangenen Wochen eine Kontroverse ausgelöst. Eine Zeitung schrieb, Qwelane zum Botschafter in Uganda zu bestellen sei, als würde man Goebbels zum Botschafter in Israel ernennen. Auf dem Protest sprach auch der Dean der anglikanischen St. Georges Kathedrale in Kapstadt. Smith sagte, er sei niacht als schwuler Mann gekommen, sondern als Bürger Südafrikas, dessen Verfassung die Grundrechte auch für die LGBT-Community garantiere. Qwelane repräsentiere diese Verfassung nicht, und  sei damit für diesen Posten nicht tragbar.