Zu den schrägsten Sehenswürdigkeiten Kapstadts gehört seit rund zwei Jahren das Dach des Grand Daddy. Damals hatten Jody Aufrichtig und Nick Ferguson die genial durchgeknallte Idee, einen Haufen amerikanischer Airstream-Wohnwagen auf ihr Hotel zu setzen und sie von lokalen Künstlern gestalten zu lassen. Herausgekommen ist ein urbaner Penthouse-Traum.

"Love of Lace“, der Airstream der Künstlerin Tracy Linch von innen

So schuf zum Beispiel die Künstlerin Sarah Prett einen weiß-blau gepunkteten Land-of-Oz-Airstream namens Dorothy, die Künstler und Textil-Designer Cara Rosa, Tamsin Relly und Chloe Townsend entwarfen einen Siebzigerjahre-Traum namens „The Ballad of John & Yoko“: Drei Viertel des Wohnwagens nimmt ein riesiges Bett ein, Gäste können auf einem „Kreativ-Brett“ ihre Love&Peace-Messages hinterlassen und dazu auf der Gitarre klampfen. Ganz in Pink kommt „Love of Lace“ daher, der Trailer der Künstlerin Tracy Linch ist komplett in Rosa gehalten, irgendwo zwischen Boudoir und Bordell, man sieht förmlich den Champagner sprudeln.

Selbstredend wurde der Penthouse-Airstream-Trailer-Park über den Dächern der Ausgehmeile Long Street und mit Blick auf die Hochhäuser des Business-Distrikts über Nacht zum Lieblings-Venue aller Kapstädter Hipsters. Zumal die beiden geschäftstüchtigen Hotelmacher

Aufrichtig und Ferguson klug genug waren, die Preise für Übernachtungen und Event-Buchungen nicht ins Astronomische schnellen zu lassen.

Die beiden südafrikanischen Mittdreißiger haben schon öfter ein gutes Händchen bewiesen, nicht nur beim Umbau des ehemaligen Metropol-Hotels zum Grand Daddy. Auch das Art-Hotel Daddy Longlegs, ebenfalls in der Long Street gelegen, war von Anfang an ein Hit.

Airstream-Park "Old Mac Daddy" ...

... öffnet im Juli 2010 vor atemberaubender Kulisse

Jetzt folgt der nächste Streich der beiden. Angespornt vom Erfolg des Penthouse-Parks werden derzeit im Bezirk Gardens zehn weitere Airstream-Trailer gestaltet und für eine große Reise über die Hottentots-Berge fertig gemacht. Hinter dem Sir-Lowry-Pass liegt das Örtchen Elgin und dort haben Aufrichtig und Ferguson auf dem Vuki Farm Trust einen renovierungsbedürftigen Campingplatz ausfindig gemacht, idyllisch an einem Hang gelegen, eingebettet in einen alten Pinienbestand, gesäumt von Feldern und mit atemberaubenden Blick.

Old Mac Daddy soll den Erfolg des Penthouse-Trailer-Parks in frischer Landluft wiederholen. Erneut werden die Wohnwägen von Künstlern gestaltet, diesmal natürlich mit rustikaleren Bezügen. Über 50 Entwürfe wurden eingereicht, elf werden derzeit  in den Old Mac Daddy Werkstätten in Gardens umgesetzt. So gestaltet zum Beispiel Julie Kenney den Trailer „For Better or for Boerwors“  mit nostalgischen Bezügen zum traditonellen Leben in der Karoo-Wüste. Den Fortgang der Arbeiten dokumentiert übrigens schon jetzt eine Facebook-Fanseite.

In Elgin verwirklichen Ferguson und Aufrichtig auch ihre Vorstellungen eines ökologischen Hotelbetriebs. Solarzellen sorgen für Heißwasser in den elf Trailern, das verwendete Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft, gepflanzt wird ausschließlich Einheimisches und natürlich gibt es einen Kräuter- und Gemüsegarten auf dem Gelände.

Man muss kaum noch dazusagen, dass die beiden auch bei den Mitarbeitern auf lokale Kräfte setzen wollen. Ihr Ziel ist es, wie schon beim Daddy Longlegs, auch bei Old Mac Daddy eine Fair Trade Akkreditierung zu bekommen. Die Eröffnung des Trailer-Parks der Superlative ist für Juli geplant. Eins ist jetzt schon klar: Kapstadts Urban Hipsters wird es künftig öfter mal aufs Land verschlagen.

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