Makarapas in der Mache

Bei Grant Nicholls geht es derzeit drunter und drüber. Sein ganzes Haus hat sich in eine Makarapa-Fabrik verwandelt: Die Fan-Helme stehen zum Trocknen am Pool, in der Garage, im Büro und auf dem Rasen. 17 Helfer schneiden, pinseln und kleben 500 Makarapa-Helme im Monat. Doch für den Marketing-Fachmann aus Johannesburg ist das erst der Anfang. 40.000 sollen es werden, bis die Weltmeisterschaft beginnt.

Nicholls’ Geschichte mit den bunt verzierten Helmen begann vor 15 Jahren. Damals lernte er als Sponsorship-Manager der Firma Total einen einfachen Mann aus einer Wellblechsiedlung bei Soweto kennen: Alfred Baloyi, den seine Freunde Lux nennen. Lux versorgte die Fans der Kaizer Chiefs, des von Total gesponsorten Fußballclubs von Soweto, mit eben jenen Makarapa. In seiner kleinen Hütte schnitzte er Figuren aus Bauhelmen heraus, klappte sie hoch, klebte Fähnchen an und bemalte sie in den Farben des Clubs. Jeder Helm ein Unikat. Die Nachfrage: groß.

Auf die Idee mit den Makarapa war Alfred Baloyi schon 1979 gekommen. Im Stadion von Soweto ging es in jenen Tagen wild zu. Oft musste Baloyi mit ansehen, wie Fans von Bierflaschen getroffen wurden. „Da dachte ich mir, jeder sollte einen Helm tragen!“ Sein Freund Hendrik Langa, ein Bauarbeiter, besorgte ihm den ersten.

Fußballfan Nicholls befreundete sich mit Baloyi und erkannte recht bald das Potenzial, das in den bunten Helmen steckte. Um Baloyis Idee zu schützen, versuchte er, sie patentieren zu lassen; ein Prozess, der sich über Jahre hinzog und am Ende nicht von Erfolg gekrönt war: „Wir kamen zu spät. Sie sagten uns, wir könnten ein Design patentieren, aber nicht die Idee, Bauhelme aufzuschneiden und zu verzieren. Der Makarapa ist also wieder so eine afrikanische Idee, die ausgeschlachtet werden kann, weil das Know-How nicht rechtzeitig vorhanden war, um sie zu schützen.“

Kleine Makarape-Fabrik

Die Idee hatten tatsächlich längst andere übernommen, allerdings nicht immer nur aus reinem Gewinnstreben. In Kapstadt zum Beispiel entstehen Makarapa im Rahmen eines Entwicklungsprojekts, das Township-Bewohner mit Arbeit und Ausbildung versorgt.

Um den Erfinder Baloyi nicht leer ausgehen zu lassen, schützte Nicholls nun den Begriff „Baloyi Makarapa“ und hofft, damit eine Marke zu prägen wie „Apple Computer“ oder „Tempo-Taschentücher“. Nicholls setzt auf Originalität und Qualität: „Wir werden nichts dagegen tun können, wenn sie in China millionenfach Makarapa herstellen, aber die Originale gibt es nur bei uns.“

Bis Ende der Woche will Nicholls mit der Firma von seinem Grundstück in eine 2000 Quadratmeter große Fabrikhalle in Johannesburg umziehen, gesponsort vom südafrikanischen Immobilienriesen Growthpoint. Die dazu gehörige Innenausstattung und den Verkaufsraum stiftet das Bauunternehmen WBHO, das gerade drei der neuen Fußballstadien Südafrikas fertig gestellt hat. 200 Menschen will Nicholls mit der neuen Fabrik bis Ende des Monats in Lohn und Brot bringen.

„Südafrikas Erbe an die Fußballwelt, das wird der farbenfroh ausstaffierte Fan sein“, sagt Nicholls. Neben Makarapa sollen in der Fabrik auch weitere Fan-Artikel wie Vuvuzelas, Brillen und Overalls im Bayoli-Design entstehen. Und mit der Weltmeisterschaft ist noch lange nicht Schluss. Marketing-Fachmann Nicholls sieht für „Bayoli Makarapa™“ eine glänzende Zukunft, weit über den Fußball hinaus. Schon fragen Touristen nach Makarapa mit Tierfiguren, Elefanten und Löwen, Jazzmusiker-Makarapa, Nelson-Mandela-Makarapa, Makarapa-Lampenschirme …

Alfred Baloyi – Erfinder des Makarapa

Und so ist aus dem 53-jährigen Slumbewohner Alfred Bayoli, der Busse wäscht, um seine Familie zu ernähren, über Nacht und mit Nicholls’ Hilfe der „Art Director and Creative Consultant“ von Bayoli Makarapa™ geworden. Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat schon einen seiner Helme, FIFA-Chef Sepp Blatter auch. Für den Künstler aus der Wellblechhütte ist es in diesen Tagen nicht ganz einfach, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Nicholls hat eine Stiftung für ihn gegründet, bald wird er mit der Familie in ein eigenes Haus einziehen können. Immerhin, Angst, die Ideen könnten ihm ausgehen, hat Alfred Bayoli nicht: „Meistens träume ich von neuen Makarapa, wenn ich schlafe. Und wenn ich morgens aufwache, habe ich einen neuen Style.“

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