Der Kapstadtreporter hat die letzten Tage ein wenig entspannt, ein paar Fahrten in die Umgebung unternommen und dabei viel guten Wein probiert. Die Tropfen vom Kap sind natürlich schon lange kein Geheimtipp mehr – und doch es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Quoin Rock zum Beispiel. Ein Teil des ehemaligen Weinguts Knorhoek, abseits der großen Routen an den Hängen des Simonsbergs bei Stellenbosch gelegen, war 1998 an die Caledonia Wine Farm (Pty) Ltd verkauft worden, seit dem Jahr 2000 wurden die alten, virus-infizierten Weinstöcke durch neue Anpflanzungen, vor allem von Cabernet Sauvignon, Shiraz, Viognier, Merlot, Cabernet Franc, Mouvedre and Sauvignon Blanc ersetzt.

Carl van der Merwe gehört zu einer jungen Generation südafrikanischer Weinmacher, er setzt darauf, Qualitäts-Weine mit subtiler Note zu erzeugen, die ohne allzu große Eingriffe während des Prozesses auskommen und möglichst viel von dem ins Glas bringen, was Terroir und Klima zu bieten haben. Die Ergebnisse können sich auch deshalb sehen und schmecken lassen, weil neben den 158 Hektar am Simonsberg, mit seinem Höhenunterschied von fast 400 Metern und der roten Tonerde, auch eine zweite Lage am 150 Kilometer entfernten Cap Agulhas zur Verfügung steht, deren Nähe zum Meer vor allem beim äußerst empfehlenswerten Sauvignon Blanc die von vielen – und auch vom Kapstadtreporter – so geschätzten Grasnoten und die feine Mineralität erzeugt.

Modernität bestimmt auch die Architektur bei Quoin Rock

Flaggschiff des Hauses ist der Oculus, ein Blend aus 85 % Sauvignon Blanc und 15 % Viognier, der 11 Monate im Holzfaß aus französischer Eiche lagert. Das Ergebnis ist ein fein ausbalancierter Wein mit fruchtigen und blumigen Noten, etwas älter getrunken schieben sich Honig-   und Mandelaromen nach vorne. Sieben Jahre lang sollte der Oculus gut trinkbar sein. Bei den Rotweinen konzentriert sich Quoin Rock auf den Syrah, den der Kapstadtreporter nicht unbedingt zu seinen Lieblingstrauben zählt, weil er zu oft diese aufgebrezelten Power-Shiraz im Glas hatte, die einem mit der Wucht eines Boxers ins Gesicht schlagen, um sich sofort darauf für immer zu verabschieden. Doch auch beim Syrah erlebt man in Quoin Rock eine angenehme Überraschung. Auch hier zeigt van der Merwe sein Talent, als Weinmacher mit den subtileren Noten zu spielen. So entsteht ein friedlches Miteinander von dunklen Beeren-  und würzigen Pfeffernoten, das zu keinem Zeitpunkt die Zunge erschlägt. Erwähnenswert ist auch der Sauvignon-Dessertwein, der ausschließlich von der Agulhas-Lage stammt und von an der Reben gertrockneten Trauben stammt. Wer Dessertweine schätzt, aber auf Klebrigkeit gerne verzichtet, wird von dieser Schöpfung des Hauses extrem angenehm überrascht sein.

So jung und innovativ die Weinherstellung, so sorgsam der Umgang mit der Natur auf den beiden Gütern des Hauses. Van der Merwe setzt sich für den Erhalt der ursprünglich südafrikanischen Pflanzenwelt ein und beteiligt sich an einem Programm zur Ausmerzung fremder Spezies, die noch immer Teile desnaturbelassenen Gebiets der Farm überwuchern und dem einheimischen Fynobs den Garaus machen.

Was den Besuch bei Quoin Rock last but not least zu einem angenehmen Erlebnis werden lässt, ist Jeanne Mosterts freundliche Art, die ohne Zeitdruck und mit viel Witz und Sachverstand hinter dem Tresen über die Weinproben des Hauses herrscht. Quoin Rock ist eine empfehlenswerte Alternative zu den großen Weingütern und für die Freunde modernen Weinmachens allemal eine bemerkenswerte Entdeckung.

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