Mzoli's: Metzgerei, Resaturant, Bar und Club in einem

Metzgerei, Restaurant, Bar und Club in einem

Über allem hängt der Geruch von verbranntem Fett. In dicken Schwaden zieht der Rauch aus Mzoli’s Grillküche durch die offenen Türen und durch jede Ritze in der Wand, wälzt sich über die Menschenmassen, verfängt sich unter den grünen Zeltdächern der Terrasse, wo sie zu Hunderten sitzen, schwitzen, schnattern, in Schweinerippchen und Lammkoteletts beißen, lachen, über die Tische rufen und sich die Tränen aus den Augen wischen. Heiß ist es, 30 Grad im Schatten, heißer noch unter den Planen, doch wenigstens ist man hier vor der Sonne geschützt.

Wo immer im Gedränge Platz ist einen Arm zu heben, tanzen junge Schwarze zur House-Musik, die ein DJ mit wasserrohrdicken Dreadlocks in ohrenbetäubender Lautstärke in die Menge peitscht. Während er nach der nächsten CD sucht, nimmt er einen tiefen Zug aus der Ganja-Zigarette, wippt im Takt und rudert mit den Armen. Direkt neben ihm, aus einem vergitterten Loch in der Wand, verkauft ein junges Mädchen Bier und Cider sixpackweise. Keiner weiß, wo die Schlange aufhört und die Party beginnt.

Mzoli's Küche

Mzoli’s, das ist eine Bar an einer Straße ohne Namen, mitten in Guguletu. „igugu lethu“ heißt in der Sprache der Xhosa „Unser Stolz“. Ein zynischer Name, den die Apartheid-Regierung für das Township erfand. Sie hat es in den Sechzigern für die vielen schwarzen Wanderarbeiter aus dem Ostkap bauen lassen, heute ist es ein Teil von Kapstadt, 15 Kilometer von der Innenstadt entfernt.

Seit sieben Jahren ist Mzoli’s der kulturelle Mittelpunkt des Township, ein „Geheimtipp“, der längst in jedem Reiseführer steht. Promikoch Jamie Oliver war schon hier und lobte die Koteletts. Jeden Sonntagnachmittag  ist Mzoli’s Terrasse der kulturelle Mittelpunkt der Capetwon Flats, der Armenviertel vor den Toren der Metropole. Die Grillsoße ist scharf und lecker, und wer sich hier präsentiert ist es auch oder will es wenigstens sein. Hier treffen sich die Rapper und House-Freaks, hier  treffen sich die Schwulen und Lesben aus Guguletu und Nyanga, aus Kayelitsha und Mfuleni und all den anderen schwarzen Vororten, in denen Hunderttausende leben, die meisten aus dem Volk der Xhosa.

Nicht immer zusammen, aber doch miteinander

Aber nicht alle hier sind schwarz. Mzoli’s ist auch ein Ort mitten in einer Township, in dem Schwarz, Coloured und Weiße, wenn nicht miteinander leben, so doch immerhin miteinander essen, trinken und feiern. Wer als Weißer zu Mzoli’s kommt, der tut das nicht als Armuts-Tourist, nicht als Schaulustiger, sondern weil er mit von derr Partie sein möchte. Die Sonntage in Guguletu sind ein Signal dafür, dass die Osmose der südafrikanischen Gesellschaft in einigen glücklichen Momenten in mehr als nur in eine Richtung funktionieren kann.

Feiern bis in die Dämmerung

Mzoli’s ist aber auch ein vergleichsweise sicherer Ort in einer der gefährlicheren Ecken der Stadt, eine Insel der Sorglosigkeit. Auf der Straße, neben den Zelten, ist an diesem Sonntag eine Bühne aufgebaut. Die Show der örtlichen Rapper am späten Nachmittag bleibt kurz, wer Xhosa kann, der singt die Texte mit.  Kaum hat der DJ die Beschallung wieder übernommen, stürmen sie in Massen die kleine Bühne, wackeln mit ihren Hintern oder und ein angetrunkener Weißer grinst breit über sein hummerrot verbranntes Gesicht. Ein paar Feierlwütige haben die Mauer des Nachbargrundstücks erklommen und fühlen sich die Gogo-Tänzer.Bei Mzoli’s am Sonntag sind die Gäste die beste Show.Alle wippen und wackeln im Takt der Musik.  Wie fast jeden Sonntag werden sie im Schutz von Mzoli’s feiern und tanzen bis in die Dämmerung. Der Alltag beginnt früh genug, spätestens auf dem Weg nach Hause.

Osmose auf südafrikanisch

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