Wissen Sie, wie man ein Steak à la Zulu zubereitet? Der Kellner im Johannesburger Edelrestaurant verzieht keine Miene: „Es wird zunächst getreten, gewürgt, in Schlamm getaucht, dann gesteinigt, schließlich sticht man ihm die Augen aus und bindet das Gemächte zu einem festen Knoten. Zum Abschmecken übergießt man es mit einer Balsamico-Reduktion.“

Madam & Eve nehmen dann doch lieber den Fisch.

Ein Comic-Strip begleitet die Südafrikaner durch die wilden Jahre der Post-Apartheid. Die weiße Mittelstands-Madam Gwen Anderson und ihre schwarze „Instandhaltungs-Assistentin“ Eve Sisulu gehen mit der Zeit und bleiben sich doch treu: Bis heute hat Madam den Unterschied zwischen einem Geschirrspüler und einer Waschmaschine nicht begriffen und ihr Dienstmädchen lässt keine Chance aus, sich ein Zubrot zu verdienen. Zur WM vermietet sie sogar ihr Bügelbrett als Übernachtungsmöglichkeit an deutsche Touristen.

Der tägliche Cartoon im Stile amerikanischer „Funnies“ ist in Südafrika ein umwerfender Erfolg. „Madam & Eve“ erscheint in 13 Zeitungen, vier Millionen Leser lachen über die oft von der Tagespolitik inspirierten Geschichten. So erschien das „Steak à la Zulu“ auch während der ausländerfeindlichen Ausschreitungen in den Townships rund um Johannesburg.

Rico Schacherl (li.) mit Texter Stephen Francis

Gezeichnet wird Madam & Eve von einem gebürtigen Österreicher. Enrico Schacherl, der sich als Zeichner Rico nennt, wurde in Linz geboren. Er war zwei Jahre alt, als seine Eltern 1968 nach Südafrika auswanderten. Unpolitisch seien die Eltern gewesen, sagt er. Man habe die Tatsache genossen, dass der Apartheidstaat allen Weißen ein recht sorgenfreies Leben ermöglichte. Auch die deutsche Schule in Johannesburg sei Teil dieser „Blase“ gewesen, in der man sich als Weißer bewegte. Erst in der Studienzeit setzte bei dem Architekturstudenten allmählich eine Politisierung ein.

Getextet werden die Strips von Ricos Partner Stephen Francis, einem gebürtigen Amerikaner, der sich bei der Konzeption an US-Vorbildern wie „Doonesbury“ orientierte. Schacherl und Francis hatten sich in den späten Achtzigern bei einem südafrikanischen Satiremagazin kennen gelernt, nach dessen Ende begann die Arbeit an „Madam & Eve“. „Das Timing war goldrichtig“, sagt Rico.

Seitdem entstehen in ihrem Büro in einem Johannesburger Vorort täglich die neuen Folgen. Jeden Morgen diskutieren die beiden die politische Lage, dabei lassen sie sich oft vom Talkradio inspirieren, „denn da kann man dem Volk am besten aufs Maul schauen.“ Francis erstellt anschließend ein Skript, Rico zeichnet das Ganze mit Tusche auf Papier, bevor der Comic am Nachmittag seinen Weg in den Scanner und zu den verschiedenen Redaktionen findet. Um die Zügel nicht aus der Hand zu geben, betreiben sie gemeinsam die kleine Firma „Rapidphase“. Zurzeit arbeiten die beiden an einer animierten Fassung von „Madam & Eve“ fürs südafrikanische Fernsehen, Vorbild sind „Die Simpson’s“.

Francis und Ricos Cartoon ist auch ein Spiegel der Entwicklung der unwahrscheinlichsten Demokratie der Welt. Als die beiden anfingen, träumte das Land noch von der Rainbow-Nation. Freunde sagten ihnen voraus, sie würden es schwer haben, einem Helden wie Nelson Mandela satirische Seiten abzugewinnen. Es gelang schneller als erwartet: In „Madam & Eve“ stritten sich die Anwälte von Mandela und de Klerk um die Prozente am Friedensnobelpreis, schließlich sei Mandela auf wesentlich mehr Titelbildern erschienen. Nach den Mbeki-Jahren und nun, mit Jacob Zuma als Präsident, sagt Rico, sei Südafrika in den Niederungen der Normalität angekommen: „Wir haben keine Angst, dass uns die Themen ausgehen.“

So überraschend stabil wie das Land ist die Besetzung von „Madam & Eve“ über die Jahre geblieben. Nur als Madam im Verlauf der Neunziger zusehends liberaler wurde, mussten die Macher ihre Mutter „Mother Anderson“ aus England einführen, eine resolute Dame die viel Gin Tonic trinkt und fernsieht. Als deren Gegenspielerin erfanden Francis und Rico Eves kleine Cousine Thandi, eine achtjährige, freche Post-Apartheid-Göre.

Mutter Anderson bleibt der Garant für weiße Moral im bunten Südafrika. In einem aktuellen Strip lockt sie Präsident Zumas Konvoi in einen Hinterhalt. „Das kannst du doch nicht machen!“, schimpft Madam, jetzt hat er einen wichtigen gesellschaftlichen Termin verpasst, weißt du, wie man so was nennt?“ „Klar“, sagt Mutter Anderson: „Geburtenkontrolle!“

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