Anton Kannemeyer: The Liberals

Seit letzter Woche zeigt Kapstadts herausragende Michael-Stevenson-Galerie zwei Künstler, die sich auf ganz unterschiedliche Art mit Rassen- und Geschlechterfragen auseinandersetzen. Beide für sich sind bemerkenswerte Künstler, beide rütteln auf ganz unterschiedliche Weise an den Tabus der südafrikanischen Gesellschaft. Es spricht sehr für die Galerie und ihre Ausstellungmacher, dass sie beide Künstler zeitgleich gegenüberstellen: Es erlaubt dem Besucher einen fast kaleidoskophaften Blick auf die aktuellen Race- und Gender-Debatten am Kap.

Zanele Muholi: Caitlin and I

Die Fotografin Zanele Muholi erlangte in Südafrika vor ein paar Wochen ungewollt Berühmtheit, als die südafrikanische Kulturministerin Lulu Xingwane unter Protest eine Ausstellung verließ, auf der einige ihrer Werke gezeigt wurden. Die ästhetischen Schwarz-Weiß-Fotografien lesbischer Paare – genauer: schwarzer lesbischer Paare – waren Pornographie  und unmoralisch in den Augen der Ministerin. Muholi selbst brachte den Fall an die Öffentlichkeit: “Wir sind bedroht, wenn wir schweigen und wir werden bedroht, wenn wir den Mund aufmachen”, sagt die quirlige, lebensfrohe Fotografin. Sie hat sich entschieden, nicht zu schweigen. Das Verhalten Xingwanes führte zu einem Aufschrei nicht nur unter Schwulen und Lesben, sondern auch in Südafrikas Kunst- und Kulturszene. Es wurde allgemein als ein Zeichen für den zunehmenden Konservatismus und Fundamentalismus innerhalb der politischen Eliten gesehen, die sich von den Idealen der Generation Mandelas und Desmond Tutus auch was gesellschaftliche Fragen betrifft immer weiter entfernen.

Zanele Muholi: Amo Senokwane and Lebo Mashifane

Muholis Porträts von lesbischen Liebespaaren, von Schwulen und Transgender kommen überraschend leise und zart daher, verlgichen mit dem Aufruhr, der um sie herum enstanden ist. “Indawo Yami”  so der Titel der Ausstellung, heißt auf Deutsch “Mein Ort” und darum geht es Muholi: Ihre Bilder verorten queeres Leben in den afrikanischen Kontext und strafen damit all jene Lügen, die behaupten, Homo- oder Transsexualität seien zutiefst “unafrikanisch”.

Between Friends

Zanele Muholi hat in den letzten Jahren zahlreiche Preise gewonnen, zuletzt 2009 den Casa Africa Award als beste Fotografin und einen Fondation Blachère Award bei der Rencontres de Bamako Biennale für afrikanische Fotografie. Zurzeit plant sie eine Reise nach Malawi, um den Fall des dort im Dezember wegen einer “Schwulenhochzeit” festgenommenen Paares zu dokumentieren. Auch in Europa werden ihre Arbeiten bald wieder zu sehen sein.

Mini and LeShishi

Ein ähnliches Thema, ein anderes Medium und einen ganz anderen Ansatz zeigt Anton Kannemeyer im Nachbarraum der Galerie. “A dreadful thing is about to occur” zeigt eine Reihe von Gemälden im Comic-Stil der belgischen “Tim und Struppi”-Serie. In drastischen, teils extrem provokativen Szenen spielt Kannemayer auf intelligente Weise mit weißen Vorurteilen über Schwarze im allgemeinen und schwarze Männer im Besonderen.

Check-Up

Nahezu schamlos bedient sich Kannemeyer bei allen bekannten Ressentiments, von der Selbstbedienungsmentalität schwarzer Politiker über die angeblich anmalische sexuelle Power schwarzer Männer bis zu den Lächerlichkeiten liberaler Political Correctness: Nichts ist ihm heilig. Die Bilder erinnern an Cartoons aus dem New Yorker und gehen doch weit über deren humoristische Haltug hinaus. Kannemeyer, ein Absolvent der afrikaanssprachigen Universität von Stellenbosch, hat als Comiczeichner angefangen, die neuen Bilder, sagt er, haben nun endlich eine Größe, die es schwierig macht, sie zu ignorieren.

Caption Contest

Auf der Vernissage vergangenen Donnerstag war es überaus spannend zu beobachten, wie Weiße und Nicht-Weiße auf seine Arbeiten reagierten. Hier wie da, und doch aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus, die gleiche Frage: Darf man über so etwas lachen? Vielleicht müssen Südafrikaner lernen, über so etwas zu lachen, wenn sie in der Auseinandersetzung über ihre rassisistische Vergangenheit und Gegenwart einen Schritt weiterkommen wollen. Die meisten Vernissagenbesucher jedenfalls verkniffen sich noch allzu lautes Lachen. Um immerhin zu schmunzeln.

In Heaven

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