Frauen protestieren gestern vor dem Gerichtsgebäude

Die am Freitag vermutlich aus Hassmotiven vergewaltigte Millicent ist aus dem Krankenhaus entlassen, in das man sie am Montagabend wegen starker Blutungen verlegen musste. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Ihr Vergewaltiger sitzt hinter Gittern. Das Gericht für Sexualstraftaten (Sexual Offences Court) im Stadtteil Wynberg hat am Dienstag seine erste Anhörung vertagt. Auf den 13. April

Die rund 50 Frauen und die wenigen Männer, die seit zwei Stunden vor dem Gerichtsgebäude ausharren, macht die Nachricht nicht wirklich glücklich, aber immerhin ist Andile Ngcuza nicht wieder auf freiem Fuß. Vor dieser Vorstellung hat es allen gegruselt, die hier stehen, rufen, singen, tanzen. Unmöglich ist sie nicht.

Wie viele Lesben müssen noch sterben? fragt ihr T-Shirt

Gegen 11 Uhr schleusen zwei Polizisten den am Samstagmorgen in flagranti erwischten Täter unbemerkt durch einen Seiteneingang zum Gericht . Ngcuza trägt blaue Gefängniskleidung und einen Kopfverband. Er hinkt.

Die Frauen waren um 9:30 Uhr aus Guguletu und Kayelitsha gekommen. Einige von ihnen Lesben aus den am schlimmsten betroffenen Stadtteilen, die schon lange gegen „Corrective Rape“ kämpfen, Frauen aus der Nachbarschaft des Tatorts sind in großer Zahl erschienen. Mit ihnen steigt Trauer, Angst und Wut aus dem Sammeltaxi. Und immer mehr Verbitterung. Die Hoffnung auf Schutz haben manche dieser Frauen schon aufgegeben, jetzt erwarten sie wenigstens Gerechtigkeit. Und wissen, dass sie dafür auf die Straße gehen müssen.

„Wie viele Lesben müssen noch sterben, bevor Hass ein Verbrechen wird?“ steht auf einem weißen T-Shirt. Jede dieser Frauen kennt eine andere, die schon zum Opfer wurde. Viele können die Namen von Toten aufsagen. Luleka Makwane. Nomsa Nosizwe Bizwa. Nomzamo Tshuluba. Alle aus Guguletu, einem Stadtteil von wenigen zehntausend Menschen.

Im benachbarten Kayelitsha erschlug 2006 ein Mob von 20 jugendlichen Männern die 19jährige Zoliswa Nkonyana, weil sie Lesbe war. Soweit der Fall rekonstruiert ist, hatte zuvor eine Gruppe heterosexueller Mädchen sie und eine Freundin auf der Straße als Lesben verspottet. Die 20 Männer, keiner älter als 20, warfen Steine und schlugen Zoliswa schließlich mit einem

Ndumie Funda, Gründerin der Selbsthilfegruppe "Lulekisizwe"

Golfschläger tot. Das alles wenige Meter von ihrem Haus entfernt.

Der Fall blieb lange von der Öffentlichkeit unbemerkt. Ein Reporter des Mail&Guardian erfuhr die Geschichte schließlich zufällig, als er in einer ganz anderen Sache recherchierte. Die Polizei hatte schlampig ermittelt, Journalisten fanden die einzige Zeugin. Vier Jahre später gibt es immer noch kein Urteil. Der Fall wird an diesem Morgen vor dem von Millicent verhandelt. Keine guten Aussichten auf Gerechtigkeit.

Oder könnte es diesmal besser werden? Die lokale Presse ist von Anfang an dabei, berichtet auf Seite eins. Ein französisches Fernsehteam ist vor Ort und filmt. Es gibt Bilder des Opfers, des Tatorts. Und in 69 Tagen ist Weltmeisterschaft. Vielleicht guckt ja schon einer.

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